Der Pyrrhische Krieg

Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Autor_in: Plutarch
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Plut. Pyrrh. 21, 5-10 – Original

[5] ἐκ τούτου μάχης ἄλλης τῶν πραγμάτων αὐτῷ δεομένων ἀναλαβὼν τὴν στρατιὰν ἐχώρει, καὶ περὶ Ἄσκλον πόλιν τοῖς Ῥωμαίοις συνάψας καὶ βιαζόμενος πρὸς χωρία δύσιππα καὶ ποταμὸν ὑλώδη καὶ τραχύν, ἔφοδον τῶν θηρίων οὐ λαβόντων ὥστε προσμῖξαι τῇ φάλαγγι, τραυμάτων πολλῶν γενομένων καὶ νεκρῶν πεσόντων, τότε μὲν διεκρίθη μέχρι νυκτὸς ἀγωνισάμενος. [7] χρόνῳ δὲ πολλῷ λέγεται μὲν ἀρχὴ τροπῆς κατ᾽ αὐτὸν γενέσθαι τὸν Πύρρον ἐπερείσαντα τοῖς ἀντιτεταγμένοις, τὸ δὲ πλεῖστον ἀλκῇ καὶ βίᾳ τῶν ἐλεφάντων κατειργάσατο, χρήσασθαι τῇ ἀρετῇ πρὸς τὴν μάχην τῶν Ῥωμαίων μὴ δυναμένων, ἀλλ᾽ οἷον ἐφόδῳ κύματος ἢ σεισμοῦ κατερείποντος οἰομένων δεῖν ἐξίστασθαι, μηδὲ ὑπομένειν ἀπράκτους ἀποθνῄσκειν, ἐν τῷ μηδὲν ὠφελεῖν πάντα πάσχοντας τὰ χαλεπώτατα. [6] τῇ δ̓ ὑστεραίᾳ στρατηγῶν δι᾽ ὁμαλοῦ τὴν μάχην θέσθαι καὶ τοὺς ἐλέφαντας ἐν τοῖς ὅπλοις γενέσθαι τῶν πολεμίων, προέλαβε τὰς δυσχωρίας φυλακῇ, καὶ πολλὰ καταμίξας ἀκοντίσματα καὶ τοξεύματα τοῖς θηρίοις ἐπῆγε μετὰ ῥώμης καὶ βίας πυκνὴν καὶ συντεταγμένην τὴν δύναμιν. οἱ δὲ Ῥωμαῖοι τὰς διακλίσεις καὶ τὰς ἀντιπαραγωγὰς τὰς πρότερον οὐκ ἔχοντες, ἐξ ἐπιπέδου συνεφέροντο κατὰ στόμα: καὶ σπεύδοντες ὤσασθαι τοὺς ὁπλίτας πρὶν ἐπιβῆναι τὰ θηρία, δεινοὺς περὶ τὰς σαρίσας τῶν ξιφῶν ἀγῶνας εἶχον, ἀφειδοῦντες ἑαυτῶν καὶ τὸ τρῶσαι καὶ καταβαλεῖν ὁρῶντες, τὸ δὲ παθεῖν εἰς οὐδὲν τιθέμενοι, [8] τῆς δὲ φυγῆς οὐ μακρᾶς εἰς τὸ στρατόπεδον γενομένης ἑξακισχιλίους ἀποθανεῖν φησι τῶν Ῥωμαίων Ἱερώνυμος, τῶν δὲ περὶ Πύρρον ἐν τοῖς βασιλικοῖς ὑπομνήμασιν ἀνενεχθῆναι τρισχιλίους πεντακοσίους καὶ πέντε τεθνηκότας. [9] ὁ μέντοι Διονύσιος οὔτε δύο περὶ Ἄσκλον μάχας οὔτε ὁμολογουμένην ἧτταν ἱστορεῖ γενέσθαι Ῥωμαίων, ἅπαξ δὲ μέχρι δυσμῶν ἡλίου μαχεσαμένους μόλις ἀπαλλαγῆναι, τοῦ Πύρρου τρωθέντος ὑσσῷ τὸν βραχίονα καὶ τὴν ἀποσκευὴν ἅμα Δαυνίων διαρπασάντων, ἀποθανεῖν δὲ καὶ Πύρρου καὶ Ῥωμαίων ἄνδρας ὑπὲρ μυρίους πεντακισχιλίους ἑκατέρων. διελύθησαν δὲ ἀμφότεροι: καὶ λέγεται τὸν Πύρρον εἰπεῖν πρός τινα τῶν συνηδομένων αὐτῷ, ‘ἂν ἔτι μίαν μάχην Ῥωμαίους νικήσωμεν, ἀπολούμεθα παντελῶς.’ [10] πολὺ μὲν γὰρ ἀπωλώλει μέρος ἧς ἄγων ἧκε δυνάμεως, φίλοι δὲ καὶ στρατηγοὶ πλὴν ὀλίγων ἅπαντες, μεταπέμπεσθαι δὲ οὐκ ἦσαν ἕτεροι, καὶ τοὺς αὐτόθι συμμάχους ἀμβλυτέρους ἑώρα, τοῖς δὲ Ῥωμαίοις ὥσπερ ἐκ πηγῆς οἴκοθεν ἐπιρρεούσης ἀναπληρούμενον εὐπόρως καὶ ταχὺ τὸ στρατόπεδον, καὶ ταῖς ἥτταις οὐκ ἀποβάλλοντας τὸ θαρρεῖν, ἀλλὰ καὶ ῥώμην καὶ φιλονεικίαν ὑπ᾽ ὀργῆς ἐπὶ τὸν πόλεμον προσλαμβάνοντας.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
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Übersetzung: Bernadotte Perrin
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Übersetzung

[5] Consequently, Pyrrhus found himself obliged to fight another battle, and after recuperating his army he marched to the city of Asculum, where he engaged the Romans. Here, however, he was forced into regions where his cavalry could not operate, and upon a river with swift current and wooded banks, so that his elephants could not charge and engage the enemy’s phalanx. Therefore, after many had been wounded and slain, for the time being the struggle was ended by the coming of night. [6] But on the next day, designing to fight the battle on level ground, and to bring his elephants to bear upon the ranks of the enemy, Pyrrhus occupied betimes the unfavourable parts of the field with a detachment of his troops; then he put great numbers of slingers and archers in the spaces between the elephants and led his forces to the attack in dense array and with a mighty impetus. So the Romans, having no opportunity for sidelong shifts and counter-movements, as on the previous day, were obliged to engage on level ground and front to front; and being anxious to repulse the enemy’s men-at-arms before their elephants came up, they fought fiercely with their swords against the Macedonian spears, reckless of their lives and thinking only of wounding and slaying, while caring naught for what they suffered. [7] After a long time, however, as we are told, they began to be driven back at the point where Pyrrhus himself was pressing hard upon his opponents; but the greatest havoc was wrought by the furious strength of the elephants, since the valour of the Romans was of no avail in fighting them, but they felt that they must yield before them as before an onrushing billow or a crashing earthquake, and not stand their ground only to die in vain, or suffer all that is most grievous without doing any good at all. [8] After a short flight the Romans reached their camp, with a loss of six thousand men, according to Hieronymus, who also says that on the side of Pyrrhus, according to the king’s own commentaries, thirty-five hundred and five were killed. [9] Dionysius, however, makes no mention of two battles at Asculum, nor of an admitted defeat of the Romans, but says that the two armies fought once for all until sunset and then at last separated; Pyrrhus, he says, was wounded in the arm by a javelin, and also had his baggage plundered by the Daunians; and there fell, on the side of Pyrrhus and on that of the Romans, over fifteen thousand men. The two armies separated; and we are told that Pyrrhus said to one who was congratulating him on his victory, ‘If we are victorious in one more battle with the Romans, we shall be utterly ruined.’ [10] For he had lost a great part of the forces with which he came, and all his friends and generals except a few; moreover, he had no others whom he could summon from home, and he saw that his allies in Italy were becoming indifferent, while the army of the Romans, as if from a fountain gushing forth indoors, was easily and speedily filled up again, and they did not lose courage in defeat, nay, their wrath gave them all the more vigour and determination for the war.
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Projekttitel: eManual Alte Geschichte
Modul [optional]:
Autor_in: Falk Wackerow
Lizenz: CC-BY-NC-SA

Leitfragen:

1) Wie kam der legendäre „Pyrrhussieg“ zustande?

2) Welche Folgen hatte der Ausgang des Pyrrhischen Krieges für die Kontrahenten?

3) Was kann der Leser aus dieser Stelle über den Umgang mit antiken Biografien lernen?

Kommentar:

Nach dem ersten „Pyrrhussieg“ über die Römer 280 v. Chr. beim süditalischen Heracleia trat Pyrrhos I., Hegemon von Epeiros (Epirus), in Verhandlungen mit dem Senat ein. Da seine Forderungen jedoch von den Römern rundweg abgelehnt wurden, entschied er sich, seine Position durch einen weiteren Sieg im Kampf zu verbessern. Wie in der obigen Stelle des griechischen Biografen Plutarch zu lesen, bezog sein Heer also Stellung bei Asculum in Calabria. Plutarch berichtet von zwei separaten Auseinandersetzungen an aufeinander folgenden Tagen. Trotz seines überragenden Rufs als Feldherr (angeblich soll Hannibal Pyrrhos als besten General aller Zeiten bezeichnet haben) ließ Pyrrhos seine an Kavallerie überlegene Streitmacht in Gelände abdrängen, das weder für Reiter noch für seine zwanzig Kriegselefanten geeignet war. Aus diesem Grunde endete der erste Tag der Schlacht mit einem Patt. Am darauffolgenden Morgen suchte Pyrrhos günstigeres Gelände und hieß seine Truppen anzugreifen. Besonders dank der für die Legionäre ungewohnten Kriegselefanten wurden die Römer zurückgedrängt und ergriffen die Flucht. Die meisten entkamen jedoch in ihr nahes Lager, und auch Pyrrhos‘ Truppen hatten zahlreiche Verluste zu beklagen.Weil er nun bereits die zweite Schlacht in Folge viele wichtige Männer verloren und seine Position sich durch die Siege kaum gebessert hatte, soll der König anschließend jene Worte gesprochen haben, die bis heute an seine „Pyrrhussiege“ erinnern: „Noch ein solcher Sieg gegen die Römer und wir sind verloren“.

Den Misserfolg in Italien versuchten die Epiroten danach mit ihrer Invasion Siziliens auszugleichen, die jedoch nach beachtlichen Anfangserfolgen abgebrochen werden musste, da sich Pyrrhos‘ lokale Verbündete schließlich auf einen Separatfrieden mit den herrschenden Karthagern einigten. Auf römischer Seite zeigten die beiden Niederlagen, wie stabil das Bundesgenossensystem in Krisenzeiten bereits war, das sich fünfzig Jahre später im Hannibalischen Krieg als überlebenswichtig und überlebensfähig herausstellen sollte. Trotz der Gefahr waren die Verbündeten Rom stets treu geblieben. Überdies offenbarte sich die gewaltige zahlenmäßige Überlegenheit der Römer. Pyrrhos soll ausgerufen haben: „Wie die Hydra wachsen die römischen Heere nach, wenn man sie in Stücke haut.“ Diese große Stärke der Römer sollte auch ihrem gefährlichsten Gegner, Hannibal, zum Verhängnis werden. Konsequenterweise ging die nächste Schlacht für Pyrrhos nach seiner Rückkehr von Sizilien dann auch verloren. Bei Maleventum (anlässlich des Sieges anschließend in Beneventum umbenannt) unterlag sein Heer 275 den Römern, was zum endgültigen Ende des Feldzugs führte. Nicht nur zeigten die Römer hier zum ersten Mal in ihrer Geschichte, dass sie sich einer großangelegten Invasion erwehren konnten, bald darauf beherrschten sie sogar ganz Italien einschließlich der Griechenstädte im Süden, für die Pyrrhos einst in die Schlacht gezogen war. Der große Feldherr verzettelte sich in den folgenden Jahren in zahlreiche innergriechische Auseinandersetzungen, in deren Verlauf er 272 fiel.

Der oft gescholtene Plutarch, der stets betonte, Biograf und kein Historiker zu sein, mag nicht die beste Quelle für die Bewertung geschichtlicher Ereignisse sein. Viele der niedergeschriebenen Reden von Feldherren beispielsweise sind höchstwahrscheinlich ebenso frei erfunden wie ihre häufigen Zweikämpfe gegeneinander. In seiner Bewertung des Pyrrhos fällt dessen positive Darstellung auf, obwohl er genau genommen wenig erreicht hat und als Feldherr zugegebenermaßen eher mäßig erfolgreich war. Möglicherweise lag es in der Intention Plutarchs, den Epiroten als Verteidiger des Griechentums und somit als Helden darzustellen. Dazu passt der Vergleich mit dem römischen Staatsmann Gaius Marius in der Doppelbiografie. Dies ist eine weitere Schwäche Plutarchs: Ihm ist vorzuwerfen, dass er Negatives verschweigt und Positives hervorhebt. Dies ist allerdings in antiken Schriften alles andere als eine Seltenheit, und Plutarchs Umgang mit seinen Quellen ist überdurchschnittlich kritisch. In Abschnitt acht des vorliegenden Texts gibt er mehrere Quellen an und stellt sie einander gegenüber, sodass der Leser die Möglichkeit hat, selbst zu entscheiden. Für das Leben vieler bekannter Persönlichkeiten der Antike sind seine Biografien obendrein die einzige Informationsquelle. Nicht zuletzt deswegen ist eine Lektüre der Bioi paralleloi, wie die Doppelbiografien im Original heißen, empfehlenswert.

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Podcast-Hinweise
Sehen Sie zu dieser Quelle auch den Podcast „Die Unterwerfung Italiens/ Das Ausgreifen nach Westen“. Um einen breiteren Einblick in die Zeit der Römischen Republik zu erhalten, sehen Sie auch die Podcastreihe „Römische Geschichte I – Republik“.
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