Schuldspruch vor Gericht : Emir von Dubai ließ Töchter entführen
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Der Emir von Dubai, Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktoum, ist nach Ansicht des Gerichts schuldig. Bild: AFP
Das höchste britische Familiengericht ist überzeugt, dass der Scheich die Entführung zweier Töchter „orchestriert“ und seine ehemalige Frau mit dem Tod bedroht habe. Das könnte die Beziehungen zwischen dem Golfstaat und Großbritannien belasten.
Der Emir von Dubai, Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktoum, hat zwei seiner Töchter entführen lassen und die letzte seiner sechs Ehefrauen mit Todesdrohungen eingeschüchtert. Das ist die Überzeugung des höchsten britischen Familienrichters, dessen Urteil am Donnerstag gegen den Protest des Scheichs veröffentlicht wurde. Das Urteil in der Familiensache legt nahe, dass der 70 Jahre alte Emir britisches und internationales Recht gebrochen hat, was nicht nur in der englischen High Society Unruhe hervorrufen, sondern die diplomatischen Beziehungen des Vereinigten Königreichs zu seinem Verbündeten im Golf belasten dürfte. Politisch pikant ist auch die Annahme des Richters, dass die Labour-Regierung von Tony Blair vor 20 Jahren die Untersuchungen der Entführung (in Cambridge) behindert und einen ermittelnden Polizisten ausgebremst hat.

Politischer Korrespondent in London.
Scheich Muhammad, dessen Vermögen auf mehr als zehn Milliarden Euro geschätzt wird, gehört zu den Persönlichkeiten der englischen Reitszene. Er unterhält einen eigenen Reitstall und wird zu den Freunden der Königin gezählt. Seine frühere Ehefrau – die eng mit dem jordanischen Königshaus verbundene Prinzessin Haya – war olympische Reiterin. Im vergangenen Frühjahr war sie mit ihren beiden Kindern aus Dubai in ihr Londoner Palais „geflohen“. Dort soll die heute 45 Jahre alte Haya eine Beziehung zu einem Leibwächter begonnen haben. Daraufhin hatte der Emir das Familiengericht in London angerufen, um die Rückkehr seiner beiden jüngsten Kinder, der zwölfjährigen Jalila und des sieben Jahre alten Zayed, nach Dubai zu erreichen.
Richter Andrew McFarlane folgte im Wesentlichen den Darstellungen Hayas, die – wie ihr früherer Ehemann – von einer Schar britischer und internationaler Staranwälte vertreten wurde. Sie machte glaubhaft, dass sie der Emir, der das Land als Premierminister regiert, wiederholt mit Tod und Gefängnis bedroht habe. Zweimal lag eine entsicherte Pistole auf ihrem Bett. Auch schrieb der Emir Gedichte mit drohendem Charakter an sie.
Zu einem zentralen Punkt des Verfahrens wurde die „rechtswidrige Verschleppung“ zweier Töchter, die aus einer früheren Ehe des Emirs hervorgegangen waren: Prinzessin Shamsa und Prinzessin Latifa. Shamsa war 2000 von Männern, die für ihren Vater arbeiteten, in Cambridge aufgegriffen und per Privatflugzeug nach Dubai gebracht worden. Latifa war später – ebenfalls nach einem „Fluchtversuch“ – gewaltsam in die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate zurückgebracht worden, wo sie nach eigenen Angaben gefoltert wurde. Beschuldigungen, dass der Vater die Entführung und Auslieferung seiner beiden Töchter „orchestriert“ habe, hielt das Londoner Gericht für „bewiesen“.