Spiegeltherapie ist, wenn es rechts juckt, Du links kratzt und es besser wird. Das funktioniert. Wenn Du vor einem Spiegel sitzt. Denn es gibt einen Unterschied zwischen unserem physikalischen Körper und unserem Körpergefühl. Und diesen Konflikt in der Wahrnehmung macht sich die Spiegeltherapie zu nutze.

Wenn wir vor dem Spiegel sitzen und uns eine Körperstelle juckt, dann können wir den Juckreiz lindern, indem wir uns auf der spiegelverkehrten Seite kratzen. Das funktioniert, obwohl da ja gar nichts ist. Deutsche Mediziner haben das in einer Studie gezeigt, für die sie bei den diesjährigen Ignobel-Preisen ausgezeichnet wurden.

"Das ist etwas ganz Fundamentales, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem eigenen Körper und der Wahrnehmung des eigenen Körpers."
Volkart Wildemuth, Wissenschaftsjournalist

Verrückt, denken wir im ersten Moment. Für Menschen, die mit Hautproblemen und Juckreiz zu tun haben, ist das aber eine gute Option: Sie können das Jucken bekämpfen ohne die Körperstelle zu berühren. Das schont die meist ohnehin schon angegriffene oder entzündete Region.

Spiegelverkehrte Bilder helfen bei neurologischen Problemen

Tatsächlich lässt sich die Eigenschaft von Spiegeln, ein spiegelverkehrtes Bild zurückzuwerfen, gerade bei neurologischen Problemen gut nutzen. Bekannt ist beispielsweise, dass Menschen mit Phantomschmerzen nach einer Amputation diese Schmerzen mit Spiegeltherapie in den Griff bekommen. Auch bei Schlaganfallpatienten mit gelähmter Körperseite kann der Spiegel vorgaukeln, dass die gelähmte Seite gesund ist - und das hat Auswirkungen auf die betroffene Gehirnregion, die für die Lähmung verantwortlich ist.

Der Biologe Volkart Wildermuth erklärt im Interview, wie genau die Spiegeltherapie funktioniert und ob es noch weitere Anwendungen im Alltag gibt.

Mehr über die Spiegeltherapie

Shownotes
Neurologie:
Mit dem Spiegel das Gehirn austricksen
vom 04. Oktober 2016
Moderator: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Volkart Wildermuth, Biologe